Kirche des Hl. Ägidius und der Jungfräulichen Königin Maria
Die St.-Ägidius-Dechantkirche wird als Pfarrkirche bereits 1280 erwähnt. Bei der Gründung des Augustinianerklosters im Jahre 1367 wurde sie zur Klosterkirche und ihr Umbau wurde zur selben Zeit wie der des Klosters vorgenommen. Das Presbyterium der Kirche wurde etwa im Jahre 1380 fertiggebaut und das Zweischiff wurde in den darauffolgendenden Jahren eingewölbt. Die Außenansicht der Kirche, obwohl sie volkommene Proportionen hat, sagt nur wenig über den Innenraum des Zweischiffes aus, das sich im Osten durch einen hohen reich profilierten Spitzbogen in das verhältnismäßig breite am Ende des 18. Jahrhunderts barock umgebaute Presbyterium mit zwei Feldern und Abschluß öffnet. In der Längsachse des Zweischiffes erheben sich vier schlanke Säulen, aus denen die Rippen der auf feinen hoch gestellten Konsolen gesetzten Wölbung auslaufen. Durch diese Einteilung sind 5 Paare von Wölbungsfeldern entstanden. Die Wände des Presbyteriums sowie des Zweischiffes an der der Straße zugewandten Außenseite sind mit einfachen Pfeilern und den sich regelmäßig zwischen ihnen erstreckenden hohen zwei- oder dreiteiligen Fenstern eingegliedert, die mit reichlichem Maßwerk versehen sind. Nur das westliche Feld hatte eine Rosette statt Fenster, die heutzutage mit einem späteren Anbau gedeckt ist. Inmitten der Südmauer befindet sich ein spitziges reich profiliertes Portal. Der Prismenturm in der Achse der westlichen Stirnseite hat einen Eingang mit einem spitzigen Bogen in der westlichen Mauer und kleine Fenster im ersten und zweiten Stock.
Nach der Beendigung des Baus wurde die Klosterkirche mit einer Einrichtung hohen künstlerischen Wertes ausgestattet. Die Tafeln des Hochaltars, die ein Werk des sog. Meisters von Třeboň sind, zählen zu den Gipfelwerken der Malerei des letzten Viertels des 14. Jahrhunderts in Böhmen. Weiters waren es zwei bemerkenswerte Plastiken aus der Kalvariengruppe und eine Plänerstatue der Madonna aus der Zeit um 1450, die als die einzige in der Kirche geblieben ist. Beim Brand in der Stadt im Jahre 1781 zerstörte der fallende Dachstuhl über dem Chor teilweise dessen gotische Wölbung und der Chor wurde dann mit einem barocken Tonnengewölbe eingewölbt. Glücklicherweise litt die innere Einrichtung der Kirche nicht sehr vom Brand. Bei der Generalreparatur des Klosters und der Kirche in den Jahren 1897 - 1903 wurde der Kirchenturm regotisiert, der nach dem Brand eine Barockkuppel bekommen hatte. Die Altäre sowie die Mehrheit der anderen Einrichtung sind barock und stammen aus der 1. Hälfte des 18. Jhds., die Kanzel ist aus dem Jahre 1791.
An den Wänden ist eine malerische Ausschmückung überwiegend aus der zweiten Hälfte des 15. Jhds. erhalten geblieben. Am Chor befindet sich eine Freske mit dem Thema des Jüngsten Gerichtes und am Eingang vom Chor in die Sakristei ein Teil der Freske von der Wende der 14. und 15. Jahrhunderte, die die Ankunft der ersten Ordensbrüder aus Roudnice nach Třeboň darstellt. Das Tympanon des südlichen Eingangs in die Kirche ist vom Bild der Krönung der Jungfrau Maria gedeckt. Auf dem Fußboden des Chors liegen Grabsteine der Fürsten- und Prälatengruft. An der Ostseite und am Südportal der Kirche befinden sich die Statuen der Hl. Augustin, Adalbert, Johannes von Nepomuk und Wenzel, die vor 1744 gefertigt wurden.
Das Augustinianerkloster
Die St.-Ägidius-Kirche mit ihrem hohen Turm ist die Dominante des Gebäudekomplexes des einstigen Augustinianerklosters, das vom Geschlecht der Rosenberger 1367 gegründet wurde.
Das Kloster hat die Geschichte der Stadt geprägt und hat sich den führenden Zentren der Bildung und künstlerischen Schaffens im Süden Böhmens angeschlossen. Die Stiftung der Rosenberger war außergewöhnlich großzügig, die Besitzungen der Kanonie wuchsen jedoch auch mittels geschickter Politik und Vermächnisse. Der Bau des Konvents wurde zusammen mit dem Bau der Kirche begonnen und im Jahre 1369 war die Arbeit am Bau des Kreuzganges vorgerückt gewesen. An der Nordseite der Kirche wurde auch ein einstöckiges Konventgebäude mit Quadratgrundriß gebaut, dessen Kreuzgang sich fast unversehrt bis heute erhalten hat. Jeder der vier Flügel des Rundganges hat außer der Gewölbefelder noch fünf eigene Felder. Alle vier Wände, die dem Paradiesgarten zugewandt sind, sind mit breiten spitzförmigen Arkaden mit breiter Brüstung durchbrochen. Die auf diese Weise entstandenen Fenster sind von drei Stäben gegliedert und ihr Anschluß ist mit reichem Maßwerk dreier Arten ausgefüllt.
In die Mitte des Ostflügels öffnet sich die Kapelle des Hl. Johannes des Evangelisten, die zu der ursprünglichen Gründung gehört.
An der Südseite des Hofes, der sich vor dem Konvent ausdehnt, baute Peter von Rosenberg ein Haus mit einer Kapelle im Obergeschoß, deren Körper in den Hof herausragte (photo). Sie war dem Hl. Vinzenz eingeweiht und wurde bereits 1380 erwähnt. Die anderen Gebäude auf dem Hof stammen in der Mehrheit aus der Zeit des Aufblühens des Klosters im 18. Jhd. Der Brunnen in der Mitte des Hofes stammt aus dem Ende des 17. Jhds. Die Aufhebung des Klosters im Jahre 1785 beendete die Zeit seines erneuten Aufstiegs.
Im naheliegenden Stadtpark befindet sich die 1723 beim Schloß in Hamr bei Veselí nad Lužnicí gebaute und hierher 1835 gebrachte barocke Statue des Hl. Johannes von Nepomuk.















