Jan (Johann) Adolf II. Fürst von Schwarzenberg (1799 - 1888) war der älteste Sohn des Josef von Schwarzenberg (1769 - 1883) und Pauline, geboren von Arenberg (1774 - 1810), die unglücklicherweise bei einem Grossbrand in Paris ums Leben gekommen ist. Er hatte noch acht Geschwister, von denen Felix (1800 - 1852) zum Ministerpräsidenten und Bedřich [Friedrich] (1809 - 1885) zum Kardinal und Erzbischof von Prag wurden.
Sowohl sein Name als auch seine Tätigkeit erinnern an den ersten in Böhmen ansässigen Schwarzenberger , nämlich Jan Adolf I. Gleich wie dieser, war auch er ein vorzüglicher Wirtschafter, er pflegte Künste und erneuerte Denkmäler. Bei seinen oftmaligen Besuchen in England (der erste hat schon im J. 1825 stattgefunden) verfolgte er sorgsam den dortigen wirtschaftlichen und industriellen Fortschritt und nach seiner Rückkehr in die Heimat hat er sich bemüht alle Erkenntnisse in der Praxis an seinen Herrschaften einzuführen. Durch sein langes Leben konnte er eine stürmische Epoche der Geschichte überbrücken. Er hat das Ende des Heiligen römischen Reiches und die Aufhebung der Leibeigenschaft erlebt und seine Herrschaft, später bezeichnet als Grossgrundbesitze, konnte er fliessend und reibungslos in die neuen Verhältnisse überführen.
Sein grosser Vorteil war eine wirklich allseitige Bildung. Mit selbständigem Wirtschaften hat er 1829 am Hof in Mšec begonnen. Hier hat als junger Assistent der später bekannte fortschrittliche Wirtschafter František Horský gewirkt. Jan Adolf II. hat sich in diesen Jahren entschieden, dass er sich vor allem der Verwaltung seines Familienbesitzes widmen will und hat daher abgelehnt in staatliche Dienste einzutreten. Dadurch sind seine Hände zu eigenen unternehmerischen Aktivitäten frei geblieben und er musste nicht - wie eine ganze Reihe seiner Vorgänger - seine Kräfte in der Arbeit für das Habsburgische Haus vergeuden. Diese Arbeit hat übrigens für ihn mit Erfolg sein Bruder Felix geleistet. Im Laufe seines Lebens übernahm Jan Adolf II. nur einige eher ehrenamtliche Aufgaben, mit denen ihn der Hof betraut hat. So hat er z.B. im J. 1838 bei der Krönung der englischen Königin Victoria in London den schwachsinnigen österreichischen Kaiser Ferdinand vertreten. Trotzdem hat er aber eine ganze Reihe von Anerkennungen und Ehrungen erhalten. So wurde er schon im J. 1836 mit dem Orden des Goldenen Vlieses dekoriert, drei Jahre später hat er den Rang des Geheimrates erhalten und 1854 das Grosse Kreuz des Ordens des hl. Stephans. In die Politik ist er aber letztlich doch eingetreten. Er hatte zwar kein Interesse an Hofämtern, von öffentlichen Ämtern hat er sich aber nicht losgesagt. Im J. 1860 wurde er zum Mitglied des erweiterten Reichsrates gewählt und vom J. 1861 hat er an den Sitzungen des österreichischen Herrenhauses als sein erbliches Mitglied teilgenommen. Er hat sich auch in den Jahren 1861 - 1867 an der Arbeit des böhmischen Landtages beteiligt.
Die Arbeit mit dem Familieneigentum hat ihn aber mehr beschäftigt, als jede andere Tätigkeit. Sein Bodenbesitz war riesig. In seinem Besitz waren ausgedehnte Wälder, Felder, Wiesen und Teiche nicht nur in Böhmen, sondern auch in Österreich und in Deutschland. Die Basis seiner wirtschaftlichen Kraft war aber in Böhmen. Hier gehörte ihm eine Fläche von 178.180 ha, davon 59 % Wälder, 33 % landwirtschaftliche Flächen und 5 % Teiche. Seit dem Anfang seiner Verwaltung war sich Jan Adolf im Klaren, dass die Einführung von modernen Wirtschaftsmethoden, wie er sie in England kennen gelernt hat, nur dann möglich sein wird, wenn er sich vor allem an gute und gebildete Helfer wird stützen können. Deshalb hat er begonnen an seinen Herrschaften gezielt begabte Kinder zu suchen, für die er nicht nur die Grundbildung, sondern auch die fachliche Bildung gesichert hat. Zur Verfügung stand ihm sein eigenes Wirtschaftsinstitut in Český Krumlov [Krummau] (1801 - 1850), wo auch die zukünftigen höheren Beamten ihre Spornen gewinnen konnten. Dieselbe Aufmerksamkeit hat er auch der Erziehung des Personals in der Landwirtschaft gewidmet. Dieses Personal hat ihre Fachausbildung in der von ihm gegründeten landwirtschaftlichen Schule in Rabín bei Netolice bekommen. Aber auch die schon länger dienenden Beamten und Wirtschaftsfachleute hatten sich ständig weiterzubilden. Dazu standen ihnen Bibliotheken in Postoloprty [Postelberg] und in Třeboň [Wittingau] zur Verfügung. Es galt auch als selbstverständlich, dass die höheren herrschaftlichen Beamten meistens auch Mitglieder der Vaterländisch-wirtschaftlichen Gesellschaft in Böhmen waren, wo Fürst Jan Adolf II. der langjährige Vorsitzende war. Hier konnten sie neue Erfahrungen gewinnen und gleichzeitig wurden die neuen Erkenntnisse von den schwarzenbergischen unternehmerischen Aktivitäten in weitere Regionen Böhmens übertragen. Dieses so entstandene System der fachlichen Verwaltung hat begonnen die entsprechenden Früchte vor allem nach dem Jahr 1849 zu tragen.
In der Landwirtschaft wurde das Hauptaugenmerk dem Anbau von Futter und der Mistproduktion gewidmet. An Stelle der veralteten Dreifelderwirtschaft wurde die Wechselwirtschaft eingeführt. Schon im J. 1851 hat der Fürst den Anbau von Raps eingeführt, im J. 1845 den Anbau von Edelgräsern und der Ackerbohne. An vielen Stellen wurde schon ab 1852 die Zuckerrübe angebaut. Im Gebiet von Třeboň wurden schon laufend Felder melioriert und überall beruhte die Düngung auf fachlicher Beurteilung. Dank dieser Umständen haben die Grossgrundbesitze prosperiert und man konnte auch eine höhere Anzahl vom Edel- und Zuchtrind, Pferden und Schweinen halten. Bei den Feldarbeiten wurde immer mehr neue Technik eingesetzt und so ist kein Wunder, dass die Schwarzenbergische Wirtschaft auch für die umliegenden Länder und Staaten zum Beispiel wurde. Ein besonderes Kapitel bildete aber die Forst- und Fischwirtschaft. Die Fischhaltung wurde erweitert und hochgebracht vor allem zu der Zeit wo an der Spitze des Grossgrundbesitzes von Třeboň der später weltbekannte und anerkannte Fachmann, Josef Šusta, stand. In der Teichwirtschaft hat er die Zuchtzeit verkürzt, neue Fischarten, künstliche Aufzucht und Fütterung eingeführt, sodass das Wachstum der Fische von der Umgebung und den Zuflüssen in die Teiche nicht mehr so sehr abhängig war.
Der Stolz des ganzen Besitzes des Fürsten Jan Adolf waren unbestritten die Forste und ihr Fachpersonal. Das Bewirtschaften richtete sich nach Langzeitplänen mit regelmässigen Zehnjahresrevisionen und die Forste wurden gezüchtet und geschult. Von einer kopflosen Waldnutzung kann hier keine Rede sein. Berühmt war auch die Ordnung, die in den Forsten geherrscht hat.
Diese Mühe und Pflege hat sich aber gelohnt, da der Verkauf von Nutzholz den Fürsten grosse Gewinne einbrachte. Deshalb wurden auch zahlreiche neue Sägen mit Wasser- und Dampfantrieb errichtet, sowie auch eine Fabrik zur Gewinnung von Resonanzholz. Ausserhalb der Interressen ist aber auch die mit der Land- und Forstwirtschaft zusammenhängende Industrieproduktion nicht geblieben. Es wurden neue Bierbrauereien, Spiritusbrennereien, Zuckerfabriken, Sägen, Kalkbrennereien und Ziegeleien, Kaolinwerke und Graphitbergwerke in Černá im Böhmerwald errichtet.
Jan Adolf II. hat auch bei aller seiner mühevollen Arbeit auf das Vermächtnis seiner Vorfahren nicht vergessen und hat sich um das Erhalten der Traditionen Südböhmens und seiner Bevölkerung bemüht. Ein Ausdruck dieser Bemühungen war z.B. die Errichtung des Forst- und Jagdmuseums im Schloss Ohrada bei Hluboká [Frauenberg], dem auch noch prähistorische Sammlungen angeschlossen waren. Aber auch das Interesse an der Geschichte des eigenen Geschlechts ist nicht beiseite geblieben. Dieser haben sich Archivare gewidmet, die auch durch die häufigen Besuche des namhaften Historikers
František Palacký im Archiv in Třeboň angeregt wurden. Grossen Summen von Geld hat Jan Adolf II. auch den Instandhaltungsarbeiten und Renovationen von zahlreichen Schlössern gewidmet, aber auch für Patronatskirchen, Kapellen und nicht zuletzt auch für Wirtschaftsgebäude, Gehöfte oder Wald- und Teichbauten. Das grossartigste Unternehmen dieser Art war mit Sicherheit der komplette Umbau des ursprünglich barocken Schlosses Hluboká in die Form, wie wir sie bis heute kennen.
Im J. 1830 hat Jan Adolf II. die bildschöne Fürstin Eleonora von Liechtenstein (1812 - 1873) geheiratet, mit der er den Sohn Adolf Josef (1832 - 1913) und die Tochter Maria Leopoldina (1833 - 1909) hatte, die dann den Grafen Arnošt [Ernst] von Waldstein geheiratet hat.
Die Bedeutung des Fürsten Jan Adolf II. von Schwarzenberg zu bewerten ist sehr schwierig, da er mit seinen Reformen sowohl die südböhmischen als auch die nordböhmischen Regionen dort, wo seine Herrschaften waren, so emporgehoben hat, dass aus rückständischen Ecken der Monarchie hoch prosperierende Wirtschaftseinheiten geworden sind, die vom fachlich hochqualifizierten Personal geleitet und gepflegt wurden. Kurz nach dem Tod von Jan Adolf II. hat sein Werk JUDr František Rieger im Parlament von Böhmen so gewürdigt: "Was aber besonders zur Ehre seines edlen Charakters gereicht, ist die Tatsache, dass er diese wirtschaftliche Aufgabe nicht für seine eigene Sache hielt, sondern für eine öffentliche, allgemeine Sache." Wir können nur wünschen, möge der böhmische Süden mehrere solcher Persönlichkeiten haben, wie er so eine war!















