Einen Papagei, einen Hecht und einen Karpfen - diese Tiere hatte der berühmte Regent der Rosenberger, Jakub Krčín von Jelčany und Sedlčany, in seinem Wappen geführt. Sein Leben war sehr reich, wahrhaftig ein Renaissance-Leben. Es ist egal, ob wir jetzt an seine Lebensweise oder an sein unsterbliches Werk denken. Schon zur Zeit seines Lebens hat man über ihn wahre Legenden erzählt und noch viel mehr nach seinem Tode. Wie sollten sich die damaligen Leute erklären, dass der Damm des mächtigen Teiches Rožmberk [Rosenberg] die riesige Wassermenge halten konnte? "Das konnte er nur mit des Teufels Hilfe machen!" war die einheitliche Meinung. Die Tatsachen waren aber weit mehr prosaisch und einfach. Hinter allen Krčín´s Erfolgen war nur Arbeit und wieder Arbeit. Und noch ein Charakterzug hat zu Erfolgen geführt - er war anspruchsvoll und hart gegenüber sich selbst sowie auch gegenüber anderen. Und das war der Stein des Anstosses - und Quelle von Verleumdungen und Neid.
Der kleine Jakub Krčín öffnete seine Augen am 18. Juli 1535, genau zur Mittagszeit - und noch dazu am Sonntag - in Kolín an der Elbe. Nach Studien, die nach seiner eigenen Aussage viel zu lange dauerten und keine besonderen Freuden brachten, arbeitete er beim Herrn Vilém [Wilhelm] Trčka von Lípa. Aber schon in den Jahren 1559 - 1560 erscheint er in Borovany, wo er die Wirtschaft des dortigen Augustiner-Klosters leitet. Und das hat er gut gemeistert. Er arbeitet so tüchtig, dass ihn schon im J. 1561 Vilém von Rožmberk [Wilhelm von Rosenberk] zu sich als Unterburggraf in Krumlov [Krummau] berufen hat. Auch hier war Krčín´s Eintritt sehr erfolgreich. Er hat der Bierbrauerei Wasser zugeleitet und hat hier weisses Weizenbier brauen lassen, was seinem Herrn gutes Geld gebracht hat.
Nur ein Jahr später war Krčín schon Burggraf und in extrem kurzer Zeit, schon 1569, wurde er zum höchsten Regenten ernannt. Inzwischen hat er die Wirtschaft fleissig in die Höhe gebracht, hat die Bezüge der Beamten gekürzt, bevor er Geld ausgegeben hatte, hat er jede Münze zweimal umgedreht, hat Defraudanten verfolgt und unfähige und faule Menschen entlassen. Auf diese Weise konnte er selbstverständlich nicht viele Freunde gewinnen. Aber auch seine Gegner mussten anerkennen, dass seine Schritte zum Aufschwung der Landwirtschaft und der Bierbrauerei etwas in sich hatten und um das ist es, vor allem, gegangen. Scheinbar nur so nebenbei hat Krčín begonnen sich auch mit der Teichwirtschaft zu befassen. Der Historiker Václav Březan, der ihn nicht besonder geliebt hat, hat über ihn geschrieben: "Dieses Jahr (1565) wurde er vom lieben Gott mit einer weiteren Kunst beschenkt, die in dieser Welt nicht die letzte ist: er hat begonnen Teiche und Gräben auszumessen."
Wenn auch die Feldwirtschaft, Schäfereien und Bierbrauereien aus seiner Zeit jetzt nicht mehr da sind, die Teiche haben ihn überlebt. Seine Wasserbauten, vor allem Teiche, haben Jahrhunderte überdauert und eben durch diese ist Krčín wirklich berühmt geworden. Er hat eine unglaubliche Zahl von Teichen errichtet und nur wenige von ihnen sind eingegangen. Seine Kunst lag aber nicht nur im Ausmessen des neuen Werkes, damit hat er sich nicht so sehr befasst, er war eher ein ausgezeichnetter Organisator aller Arbeiten, wo die eine fliessend in die andere übergegangen war und die Ergebnisse können wir bis heute bewundern. Er wusste sich mit echten Teichbauermeistern zu umgeben, an die er sich voll verlassen konnte. Bei der Arbeit am Teich arbeiteten die Arbeiter in Rotten und ihre Vorarbeiter haben die Verantwortung sowohl für das Werk als auch für die Leute getragen. Wer etwas verschuldet hat, wurde schlecht beraten und oft stand am Damm auch der Henker bereit. Am Teich hat Krčín recht hart vorgegangen, manchmal sogar auch grausam. Hier war aber dieses Verhalten am Platze, da die Teichgräber ein wildes Gesindel waren und konnten als alles mögliche bezeichnet werden, nur nicht als Engel. Schlimmer aber war, Krčín hat diese Manieren gemeinsam mit unerträglicher Arroganz auch gegenüber seinen Beamten gezeigt und man muss sagen, dass er mit seiner Beziehung zu den Menschen oft mehr Schaden als Nutzen angerichtet hat.
Einen Anteil daran hat wohl auch seine zügellose Lebensweise getragen. Er hat viel getrunken und Hand in Hand damit war auch sein Interesse an jeder erreichbaren Schürze. Sicher nicht ohne Grund hat ihn Březan als "Kammerdiener der Venus" bezeichnet. Krčin war unbestritten ein guter Rechner und Stratege, aber einmal hat er sich gründlich verrechnet, als er nämlich im Alter von 31 Jahren im J. 1566 in Krumlov [Krummau] das alte Weib Dorota Slepičková aus Radkovice zu seiner Frau gemacht hat. Besser gesagt: er hat ein Haus "am Latrán" und einen mit Geld vollgestopften Geldschrank geheiratet.
Seine Rechnung war zwar schön, er hat erwartet, dass das alte Weib bald die Welt verlässt und dass er dann - als reicher Witwer - ein junges und schönes Mädchen heiraten könnte. Hier hat sich aber Krčin ganz gewaltig verrechnet und das Schicksal hat mit ihm ein böses Spiel getrieben. Seine alte Frau ist erst am 15. September 1587 (also nach 21 Jahren !) gestorben. Er hat mit ihr eine weit längere Zeit verlebt, als er sich selber vorgestellt hat. Er selber hat darüber geschrieben: "Für seine Dienste hat der Arme diese Belohnung: er muss drinnen nach Gottes Willen bleiben, solange der liebe Herrgott ihn von dieser Last nicht befreit!" Als er dann diese Last los wurde, war er schon 53 Jahre alt, aber trotzdem hat er nicht gezögert die blutjunge Tochter des Hauptmanns von Hradec, Jan [Johann] Zelendra von Proškovice, zu heiraten, mit der er am 6. November 1588 die Hochzeit gefeiert hat.
Krčin´s Parole war: "Was alles du auch machst, sollst du klug machen und auf das Ende denken". Er hat sich punktgenau daran gehalten. Er war hart, er hat niemandem Unrecht, aber auch keine nutzlose Wohltat getan.
1580 hat er eine Buchhalterie errichtet, an deren Spitze er stand, wodurch er alle Rosenberg´schen Beamten kontrollieren konnte. Herrn Vilém hat er in seinem Bericht über seine Arbeit geschrieben: "Mit ihnen würden wir wirklich wenig erwirtschaften. Schön können wir uns stellen, lieblich sprechen, und Anderen übel nachreden und eigene Mängel sehen wir nicht, und schliesslich nur mit irgendwelchen Geschichten würden wir uns ausreden. …. Es scheint mir, das reichlich genug viele Faulenzer am Hofe Ihrer Gnaden sind, und je mehr Schreiber da sind, um so weniger flott werden die Rechnungen erledigt. Im Jahre des Herren 1584."















